Einer von uns…

…Risiko-SchülerInnen in die Klasse schalten

Diese Zeit der Pandemie stellt uns alle vor ganz neue Herausforderungen. Der bundesdeutsche 7-Tage-Index nähert sich der 50. Da jetzt beinah überall die Voraussetzungen für das freiwillige zu Hause bleiben von SchülerInnen erfüllt ist, stellt sich die Frage, wie man diese bestmöglich betreut oder integriert.

Voraussetzungen in meiner Schule

Im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt sind wir hinsichtlich IT-Infrastruktur und -Technik bestens ausgestattet. Wir verfügen über eine Gigabit-Leitung, Wifi, IWBs und Clients in jedem Klassenraum, 30 iPads als Pool-Geräte und einer 1:1 Ausstattung mit LehrerInnen iPads. Eine Weiterentwicklung ist durch den Digitalpakt, unser Medienkonzept und der wertschätzenden Kommunikation mit dem Schulträger gesichert.

Variante 1: iPad und Video-Call

Seit März experimentiere ich mit verschiedenen Möglichkeiten und Systemen herum. Zunächst versuchte ich es einfach mit meinem iPad, auf dem ein Video-Call mit den SchülerInnen zu Hause während des Unterrichts lief. Problem hierbei ist das gleichzeitige „Tanzen auf zwei Hochzeiten“. Man ist im Austausch und interagieren mit den SchülerInnen im Klassenraum, betreibt hier Classroom-Management, muss aber gleichzeitig die Risiko-SchülerInnen im Videocall betreuen, ihre gehobene „Hand“ wahrnehmen, das Mikro an und ausschalten usw. Insgesamt eher stressig und nach Rückmeldung durch die Risiko-SchülerInnen ist der Sound immer dann schlecht, wenn man nicht gerade direkt vor dem iPad agiert. In Erinnerung bleiben den SchülerInnen im Klassenraum die „ohrenbetäubenden“ Feedbackschleifen, wenn ich wieder mal vergaß mein Mikro auszuschalten, während die Risiko-SchülerInnen über die Raumlautsprecher zu hören sein sollten. Auch wenn wir alle sehr demütig und geduldig sind, stört das den Unterricht natürlich und sollte deswegen vermieden werden.

Jörg ergänzte dieses Set-up noch um die Variante der Gruppenarbeit bei einer 1:1-Ausstattung der SchülerInnen.

Variante 2: Computer/ Laptop/ iPad und Bluetooth-Mikro

Die Anschaffung des Røde Wireless Go Mikrofone war eigentlich für die Produktion von Lehr- und Lernfilmen gedacht. Dafür ist auch wirklich gut gemacht. Klein, kompakt, einfach zu bedienen, leicht und lange Akkulaufzeit sind nur einige der Vorzüge. Aufgeclipst auf ein 1m Lineal fungiert es zudem als Konferenzmikrofon bei hybriden Dienst-/Fachdienstbesprechungen und ähnlichem.

Nach der ersten Rückmeldung der Risiko-SchülerInnen nutzte ich es aber im Unterricht, um an jedem Punkt im Klassenraum von ihnen verstanden werden zu können. Das funktioniert soweit auch ganz gut. Zumindest was die Kommunikation von mir zu den Risiko-SchülerInnen betrifft. Die Feedbackschleifen gehören damit auch der Vergangenheit an. Steht man mit dem Mikro nahe an den Lautsprechern hören die Risiko-SchülerInnen lediglich ein leichtes Echo. Das erleichterte die Arbeit für mich schon merklich.

Variante 3: Computer/ Laptop/ iPad und Bluetooth-Konferenzmikro

Die Frage ließ mir keine Ruhe. Ich wollte ein System, dass die Kommunikation in beide Richtungen vereinfacht und den Risiko-SchülerInnen das Gefühl gibt, weiterhin Teil der Klasse zu sein. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit einer Kollegin, die in einer niedersächsischen Inselschule lehrte. Eigentlich verstehe ich nicht, warum diesen Wissensschatz, was lernen auf Distanz und Umgang mit „Isolation“ angeht, nicht durch das Kultusministerium stärker nutzt. In Inselschulen haben sie natürlich solche Konferenzsysteme, um ExpertInnen vom Festland oder FachkollegInnen von anderen Inseln hinzu zuschalten. Dort kommen Systeme von Poly zum Einsatz, die man in Unternehmen auch überwiegend findet. Ein kurzer Blick auf die Preisliste zeigt, dass man als normale Schule mit überschaubarem Schulbudget nicht in die Verlegenheit kommen wird, so etwas anzuschaffen.

eMeet in Aktion – Risikoschüler am „Platz“

Nach einer langen Suche im Internet, dem Studium von (NutzerInnen)Bewertungen und Tests, besorgte ich mir ein eMeet M2 Konferenzmikro. Nicht ganz günstig, aber auch nicht unerschwinglich teuer. Ausschlaggebend war die Möglichkeit per USB und Bluetooth zu koppeln, der integrierte Akku für bis zu 12h Gesprächszeit, die guten Testberichte, die bei einem Abstand von 3m immer noch gute Soundqualität beschrieben, und die Integration von Miko und Lautsprecher in einem.

Am letzten Freitag probierte ich es das erste Mal aus, indem das Mikro am eigentlichen Sitzplatz eines Risiko-Schülers platziert wurde. Diese war per Videokonferenz-System hinzugeschaltet. Die Audioaus- und -eingabe erfolgte über das Konferenzmikro. Und was soll ich sagen…es sieht schon etwas skurril aus, wenn man nur ein schwarzes Geräte am Platz sieht, die Risiko-Schüler aber bestens hören kann, sie den Klassengesprächen folgen können, auch denen aus der letzten Reihe, und so dem Unterricht von Hause aus folgen können. Es gibt keine Probleme mit Feedbackschleifen oder Echos und ich muss kein Mikro an- oder abschalten. Der eingebaute Akku erlaubt die freie Platzierung im Raum, die Mitnahme in den nächsten Raum und den einfachen Aufbau zu Stunden beginn.

Fazit

Im Moment ist das für mich das Erfolgsversprechende Set-up, dass ich in der kommende Woche weiter testen werden. Eine kurze Befragung der Risiko-SchülerInnen ergab, dass es für sie sehr angenehm war, da die Soundqualität sehr gut war und sie froh waren ihre Mitschüler wieder „normal“ hören zu können. Auch sie hatten das Gefühl mitten dabei zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.